1 Jahr E-Scooter auf deutschen Straßen

30.07.2020

Am 15.Juni 2019 wurden mit der Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung (eKFV) erstmals E-Scooter oder E-Roller auf öffentlichen Straßen zugelassen. Viele Experten befürchteten schon damals, dass es bald sehr hohe Unfallzahlen mit diesen Geräten zu verzeichnen gebe. Auf der Grundlage einer statistischen Analyse für das 1. Quartal 2020 kommen Wissenschaftler des Deutschen Instituts für Luft- und Raumfahrt zu dem Ergebnis, dass beim Zurücklegen eines Weges mit dem E-Scooter das Unfallrisiko im Vergleich zum Fahrrad doppelt so hoch ist. Im Bereich der Schwerverletzten ist das Risiko sogar noch höher. Bezieht man sich nicht nur auf die Anzahl der Fahrten, sondern auf die gefahrenen Kilometer, steigt das Unfallrisiko bei E-Scootern im Vergleich zum Fahrrad pro gefahrenem Kilometer um gut das Vierfache und bei den Unfällen mit Schwerverletzten sogar um das Fünffache. Dies vor dem Hintergrund, dass das Risiko schwer verletzt oder getötet zu werden, bereits beim Fahrrad gegenüber dem ÖPNV und dem Auto deutlich erhöht ist.

In Bezug auf die E-Scooter bedeutet dies, dass nicht alles so belassen werden sollte wie es mit dem Inkrafttreten der eKFV angelegt war. Ein Jahr Erfahrung zeigt, wo die Schwachstellen liegen. Nach der Polizeistatistik bis zum Ende des vergangenen Jahres waren bei knapp 90 Prozent der E-Scooter-Unfälle die Fahrer der E-Roller schuld. Daraus leiten Dekra und DVR im Rahmen eines 11-Punkte-Katalogs unter anderem die Forderung ab, das Mindestalter zur Nutzung von E-Scootern von 14 auf 15 Jahre heraufzusetzen und eine Prüfbescheinigung einzuführen, sofern kein Führerscheinbesitz besteht. Auch sollten die Geschwindigkeiten für Neueinsteiger und bei schlechter Witterung und zu bestimmten Zeiten gedrosselt werden, was angesichts der digitalen Vernetzung zumindest bei den Leihfahrzeugen kein Problem wäre.

Auch an den Fahrzeugen selbst müsste es Verbesserungen geben: Die gesetzliche Verpflichtung, beim Abbiegen Handzeichen zu geben, wirkt sich problematisch auf die Fahrstabilität der E-Roller mit ihren kleinen Rädern, dem hohem Schwerpunkt und der kurzen Lenkstange aus. Abhilfe könnten hier Blinker, die ohne Loslassen der Hände vom Lenker zu bedienen sind, schaffen – am besten gleich ergänzt durch ein Bremslicht, um Auffahrunfälle zu vermeiden. Zudem muss die Sichtbarkeit der kleinen Flitzer verbessert werden. Dies könnte z.B. mit retroreflektierenden Folien an den Fahrzeugen erreicht werden. Die gesamten Liste mit den 11 Forderungen von DVR und Dekra finden sie im Kasten rechts. Ergänzend fordert der VdTÜV eine Helmpflicht statt der bisherigen unverbindlichen Helmempfehlung.