»Vorsicht Schulbeginn«

Kinder lernen erst allmählich, Risiken und Gefahren im Verkehr abzuschätzen und sich kompetent im Straßenverkehr zu verhalten. Heute geht man, entgegen einem Slogan einer früheren Kampagne ("Kinder haben keine Bremsen") davon aus, dass Kinder sehr wohl Bremsen haben - sie müssen nur lernen, sie zu gebrauchen.

Die anfangs begleitete und später selbständige Teilnahme am Straßenverkehr fördert die kognitiven Fähigkeiten, das Erlernen der Selbstständigkeit und verbessert die psychomotorischen Voraussetzungen für eine sichere Verkehrsteilnahmen. Von daher ist das heute weit verbreitete "Elterntaxi" kontraproduktiv, wenn es um die langfristig sichere Verkehrsteilnahme von Schulanfängern geht. Wie sollen Kinder verkehrssicheres Verhalten erlernen, wenn ihre aktive Verkehrsteilnahme weitgehend unterbunden wird? In einer Studie des ADAC zeigte sich, dass es in Schulen mit einem hohen Anteil an Hol- und Bringverkehr deutlich häufiger Verkehrssicherheitsprobleme gab als an Schulen mit geringem Elterntaxi-Verkehr.

Als Autofahrer sollten sie bedenken, dass das Verhalten von Kindern als Fußgänger im Straßenverkehr bis zum Alter von ca. acht Jahren riskant und wenig zuverlässig ist. Auch ältere Kinder (8 bis 9 Jahre) lassen sich zum Teil noch ablenken und verhalten sich dann nicht mehr verkehrssicher.

Während das richtige Verhalten an Ampeln und Zebrastreifen etwas früher erlernt wird, ist die Überquerung der Straße an nicht geregelten Stellen – insbesondere dann, wenn parkende Fahrzeuge am Fahrbahnrand stehen – auch noch für 6- bis 7-jährige Kinder sehr schwierig.

Kinder orientieren sich seltener vor dem Überqueren einer Straße, das gilt auch bei einer roten Ampel. Sie schauen meist von der Bordsteinkannte aus auf die Straße. Liegt die Sichtlinie weiter vorne (z.B. wegen parkender Fahrzeuge) bleiben sie dann nicht mehr stehen und schauen sich auch nicht mehr um. In Gesellschaft mit Gleichaltrigen verhalten sie sich überdies risikoreicher. Hier spielt z.B. der "Mitzieh-Effekt" eine Rolle: Bei einer Straßenüberquerung durch eine Kindergruppe lässt sich häufig beobachten, dass ein oder zwei Kinder unabhängig vom Ampelsignal über das Stehenbleiben oder Gehen entscheiden und die anderen ihnen blind folgen.

Darum sollten Sie als Pkw-Fahrer besonders darauf achten ….
… aufmerksam und rücksichtsvoll zu sein, um bei unvorhergesehenen Situationen reagierten zu können.
… bremsbereit zu sein, sobald Sie sich Kinder und Jugendliche im Straßenverkehr nähern.
… einem Kind niemals durch Winken zu signalisieren, dass es die Straße überqueren kann. Kinder stellen nur den Blickkontakt zum Autofahrer her und vergessen die Gegenrichtung.

Denken Sie auch daran, dass überholende Autofahrer nicht immer sehen, warum der Stehengebliebene angehalten hat und so ein Kind überrollen können. Wenn Sie selbst Kinder befördern, achten Sie immer darauf, dass der Kindersitz richtig eingebaut und der Sicherheitsgurt angezogen ist. Auch bei kurzen Autofahrten, nach dem Motto "Ist nicht weit, da passiert schon nichts", sollten Sie das Kind immer in einem geeigneten Kindersitz befördern. Und: seien Sie Vorbild für Kinder und schnallen Sie sich vor jeder Fahrt mit dem Auto an.