Anschnallen

1959 wurde der 3-Punkt-Sicherheitsgurt von dem schwedischen Ingenieur Nils Ivar Bohlin zum Patent angemeldet. 1974 wurden in Deutschland Gurte auf den Vordersitzen für Neuwagen gesetzlich vorgeschrieben. Seit 1976 besteht Anschnallpflicht. 1985 wählte das Deutsche Patentamt den Sicherheitsgurt in die Reihe der acht Erfindungen, die der Menschheit in den letzten 100 Jahren den größten Nutzen brachten.

Nach den Zahlen der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) sind derzeit ca. 98 % der PKW-Insassen angeschnallt. Bei einer aktuellen Auswertung der Unfallforschung der Versicherer (UDV) kam jedoch zutage, dass rund 200 Verkehrstote und rund 1500 Schwerverletzte pro Jahr vermieden werden könnten, wenn alle Insassen von Pkw in Deutschland zu jeder Zeit korrekt angeschnallt wären. Wie passt das zusammen? Ganz einfach: In der kleinen Gruppe der 2 % Gurtmuffel finden sich 13 % der insgesamt ca. 1.500 Personen, die pro Jahr in Personenkraftwagen im Straßenverkehr getötet werden. Die Gurtverweigerer starben, weil Sie eben nicht angeschnallt waren.

Der Gurt ist und bleibt Lebensretter Nr.1 – dies gilt für Fahrer, Beifahrer und natürlich auch für Mitfahrer auf dem Rücksitz. Wie Gernot Hassknecht im Video richtig ausführt, gelten die Gesetze der Physik auch auf der Rückbank. Ohne Gurt nutzen Airbags nichts. Gurt, Gurtstraffer und Airbags bilden ein Rückhaltesystem, das nur im Zusammenhang funktioniert.

Wer gurtet eher nicht? Mehr als zwei Drittel der nicht angeschnallten Todesopfer waren männlich, das Durchschnittsalter lag bei 32 Jahren. Alleinfahrer schnallen sich seltener an als Fahrer, bei denen weitere Insassen im Fahrzeug sind. Offenbar wirkt sich hier die soziale Kontrolle durch andere positiv aus. Warum schnallt man sich nicht an? Besonders in der Anfangszeit des Gurtes verursachte das Gefühl, im Auto quasi gefesselt zu sein, vielen Menschen ein tiefes Unbehagen. Psychologisch hat der Mensch das Bedürfnis bei Gefahr zu fliehen. Die scheinbare Verhinderung dieses Bedürfnisses verursachte bei Vielen eine ausgeprägte Abwehrhaltung gegen den Gurt.

Demgegenüber stehen die Tatsachen, dass der Gurt ca. 50 % der Todesfälle bei Aufprallunfällen verhindert und dass das Gurtschloss auch unter Spannung geöffnet werden kann, z.B. wenn das Fahrzeug nach einem Überschlag auf dem Dach liegen bleibt.

Laut einer Umfrage der UdV glauben viele notorische Gurtverweigerer, dass sie bei den relativ niedrigen Geschwindigkeiten im innerstädtischen Verkehr nicht gefährdet seien. Dabei muss jedem klar sein, dass es auch bei niedrigen Geschwindigkeiten ohne Gurt bei einem Auffahrunfall zu schwersten Verletzungen kommen kann. Vielleicht sollten sich Gurtverweigerer einmal vorstellen wie es wäre, mit einem Rennrad mit Tempo 30 ungebremst auf eine Betonwand zu fahren. Die letzten Zweifler könnten sich durch das Ergebnis eines ADAC-Crashtests überzeugen lassen.